Songtexte

Nach einem meiner letzten Konzerte wurde ich gefragt, ob man meine Texte auch irgendwo nachlesen kann. Ab jetzt ja - zumindest schonmal eine Auswahl. Musik und Text für alle Songs: Nicolai Burchartz. Logisch. Et voilà! 
Was gestern war

Ich weiß nicht mehr, was gestern war.
Das Morgen ist noch weit.
In Scherben liegt das Inventar,    
pro Bruchstück eine Möglichkeit.    
Ich weiß nicht mehr was gestern war.
Erinnerung: nicht lieferbar.
Ich stehe hier im Jetzt bereit.
Es ist egal was gestern war
und morgen ist noch weit.

Ich weiß nicht mehr, was morgen war.
Es bleibt nichts mehr, was bleibt.
Kein Plan ist jetzt noch durchführbar,
die Zukunft längst Vergangenheit. 
Ich weiß nicht mehr, was morgen war.
Kein Schritt ist jetzt vorhersehbar. 
Doch steh ich hier im Jetzt bereit.
Es ist egal was morgen war,
wenn nichts mehr bleibt, was bleibt. 

Alle Chancen verpatzt, alle Träume geplatzt
am Ende steh nur ich. 
Mit leeren Taschen, das Ziel verfehlt. 
vertrau ich nur auf  mich. 
 
Still stehn

Der Strom in den Wänden
fließt wie der Tag an mir vorbei.
Lautlos ganz heimlich
hält er mein Leben auf Standby.
Der Verkehr steht nie still.
Das Licht geht nicht aus.
In dieser Stadt. 
Die mich hat.
In ihrem Hamsterrad. 

Die Chancen sehn, positiv denken. 
Niemals die Fassung verliern. 
Die Aufmerksamkeit auf die Zielgerade lenken, 
dann kann alles passiern. 

Nur nicht eine Sekunde still stehn. 
Eines Sekunde still stehn. 

Cover an Cover 
reihen sich Bücher im Regal. 
Sie brüllen dich an:
Entfalte mit mir dein Potential. 
Die Welt steht dir offen.
Hörst du nicht, was sie verspricht?
Hörst du‘s nicht?
Hörst du‘s nicht?

Keine Sekunde verschenken.
Körper und Geist optimiern.
Sich nur noch ein wenig weiter verrenken,
dann kann alles passieren. 

Nur nicht eine Sekunde still stehn.
Eine Sekunde still stehn. 

Das Karussell im Kopf dreht sich weiter im Kreis.
Ungelebte Wünsche wiegen schwer wie Blei
in den Gliedern. 
Und manchmal wünschst du dir, es wär alles vorbei.
Pausen. Zeit für Pausen.

Nicht planen, nicht reden, nicht denken.
Auf den Moment konzentriern.
Die Aufmerksamkeit auf das Hiersein lenken.
Was soll schon passiern?

Wenn ich eine Sekunde still steh.
Eine Sekunde still steh.
 
1. Januar

Der Wind singt mir sein Lied ins Ohr
und wühlt in meinem Haar.
Kahle Birken tanzen im Sturm
am ersten Tag im Januar. 
Wolken ziehen an Wolken vorbei.
Ob dahinter die Sonne scheint?
Erde schmatzt unter Gummistiefeln
Regen trommelt auf mich ein.

Alles auf Anfang, Neubeginn.
Zweifel lass ich hinter mir.
Jeder Schritt im nassen Gras
verankert mich im Jetzt und Hier.
Der Regen spült meine Sorgen fort.
Die lasse ich im letzten Jahr.
Sage alten Geistern Lebwohl
und löse mich von dem was war. 

Und ich weiß: Alles liegt vor mir.
Ich weiß: Ich geh nicht zurück. 
Ich spür: Dieses Jahr bringt mir mein Stück vom Glück. 

Ich freue mich auf Sonne und Frühling, 
auf Gänseblümchen und Klee.
Auf Essen mit Freunden in unserem Garten
auf Baden mit dir im See.

Und ich weiß: Alles liegt vor mir.
Ich weiß: Ich geh nicht zurück. 
Ich spür: Dieses Jahr bringt mir mein Stück vom Glück. 
Allergie & Co.

Du schmeißt ne Party und ich freu mich schon
auf lecker Essen und ein Bier.
Abends werfe ich mich in mein schönstes Hemd 
und mach mich auf den Weg zu dir.

Doch dann, och nö, das darf nicht wahr sein!
Ein stechen im Kopf und ein Ziehen im Bein.
Ein Schwindelgefühl macht sich in mir breit
dicht gefolgt von Übelkeit.

Im Krankenhaus bin ich ein Dauergast.
Hab manche Chance des Lebens wegen Schnupfen verpasst.
Als Kind war ich kränklich, fiel der Mutter zur Last.
Hab mein ganzes Taschengeld in Apotheken verprasst.

Ich hab schon viel gelesen, habe gut recherchiert
über Allergien und Co.
Von Erdbeeren muss ich Husten, von Kürbis wird mir schlecht
und von Weizen – sowieso.

Zu Hause im Regal auf tausenden von Seiten
ballt sich Wissen über alle Krankheiten.
Ich weiß Bescheid, ich bin bestens informiert,
schließlich habe ich sie alles selbst ausprobiert.

Ich hatte Mittelohrentzündung, Masern und Mumps,
Windpocken, Röteln, Scharlach, Rachitis,
Keuchhusten, Diarrhoe, Fieber, Bronchitis
Halitosis, Karies, Parodontitis,
Prellungen, Zerrungen, verstauchter Zeh,
Husten, Schnupfen, Heiserkeit, ganz schlimme Kopfweh,
Vergesslichkeit und Aphasie!
Mückenstiche, Zeckenbisse, Hautausschlag und Sonnenbrand,
gebrochenes Bein, gebrochner Arm, gebrochener Fuß, gebrochne Hand

Ich hab schon viel gelesen habe gut recherchiert
über Allergien und Co.
Von Erdbeeren muss ich husten, von Kürbis wird mir schlecht
und wenn man gegen irgendwas allergisch sein kann,
dann bin ich‘s sowieso.
Was wichtig ist

Links überholen die andern. 
Ich rolle aus am Rand. 
Standstreifen im Nieselregen,
irgendwo im Niemandsland.
Die andern rasen vorbei, 
haben ein Ziel, wollen wohin.
Und ich denk, dass ich hier nur mit mir.
Gerade genau richtig bin. 

Hände vom Lenkrad,
ich atme aus.
In mir drin wird’s still.
Zum ersten Mal gelassen seit Tagen
warte ich auf ein Gefühl.
Zum Fühlen war lang keine Zeit,
hab funktioniert, mehr war nicht drin.
Und jetzt gestrandet im Nirgendwo
spüre ich wieder, wer ich bin. 
 
Neben mir singt mein Handy.
Du bist dran.
Du fragst, wo ich bleibe und ob ich für später
Erdbeeren mitbringen kann.
Mit einem Mal wird mir klar, 
dass letztes Jahr so viel wichtig war.
Nur nicht das, was wirklich wichtig ist.
Ich liebe dich. 
 
Dein Herz hört zu

Dein Herz hört meine Zweifel
auch wenn ich schweige.
Es hört im Lärm der Stille
den Schmerz, den ich nicht zeige.
Es freut sich, über meinen Mut
und zwinkert meiner Hoffnung zu.
Es lauscht auch meiner Angst
wenn ich nachts nicht schlafen kann.

Dein Herz hört zu, es lauscht in einem fort.
Gäb es mehr von deinen Herzen,
wär die Welt ein bessrer Ort,
denn du hörst zu.

All meine Lieblingslieder 
summt es lange schon. 
In meiner Seele kennt es 
jeden leisen Zwischenton.
An lauten und an stillenTagen 
spür ich dein Herz bei mir.
Wenn ich mich verlaufen hab, 
führt es mich zu dir. 

Dein Herz hört zu, es lauscht in einem fort.
Gäb es mehr von deinen Herzen,
wär die Welt ein bessrer Ort,
denn du hörst zu.

Und wenn ich steh im schlimmsten Sturm 
Und nicht mehr weiter weiß.
Dann hört dein Herz trotz Blitz und Donner
Meinen Hilfeschrei.
Ich spüre deinen Arm um mich.
Er hält mich sicher fest.
Weil dein Herz mein Herz niemals ertrinken lässt. 

Dein Herz hört zu, es lauscht in einem fort.
Gäb es mehr von deinen Herzen,
wär die Welt ein bessrer Ort,
denn du hörst zu.

 
Ich wär so gern ne Kuh 

Ich schaue aus dem Fenster und sehe eine Kuh.
Ich wohne auf dem Land – da passiert das ab und zu
Sie steht dort kauend und verdauend.
Den ganzen Tag am Fressen.
Ich frage mich, wie macht sie das?
Wieso lässt sie sich nicht stressen?

Ich wär so gern ne Kuh!
Den ganzen Tag hört ich dem Gras beim Wachsen zu.
Ich wär so gern ne Kuh!
Zwischen Löwenzahn und Butterblumen
hätt ich meine Ruh. 

Ich säh die Welt aus dunklen Augen.
Hätt flauschig weiche Ohrn.
Ne spitze Zunge und ne feuchte Nase
und links und rechts ein Horn.
Die hielt ich hoch bei Wind und Regen,
in Schnee und Sonnenschein.
Ich würd nicht rechnen und ich würd nicht lesen.
Ich würde einfach sein. 

Ich wär so gern ne Kuh ….

Dippndadada – Kuh sein!
Dippndadada – cool sein!
Dippndadada – einmal im Leben so cool wie ne Kuh sein.

Ich steh auf meiner Weide und sehe einen Mann.
Ich wohne in nem Dorf,  da passiert das ab und an.
Er wirkt auf mich ein wenig hektisch,
irgendwie besessen.
Ich frage mich was hat er nur?
Warum lässt er sich so stressen?

Ich bin so gern ne Kuh!
Den ganzen Tag hör ich dem Gras beim Wachsen zu.
Ich bin so gern ne Kuh!
Ich mag Löwenzahn und Butterblumen
und habe meine Ruh. 

Dippndadada – Kuh sein
Dippndadada – cool sein.
Dippndadada – ein ganzes Leben lang  cool wie ne Kuh sein.
Der Drache, der sich umarmen lässt

Es war als ob ich schliefe, ganze hundert Jahr. 
Ich schlief in meiner Festung und träumte von Gefahr. 
Doch dann kamst du, ein Held mit Schwert,
gingst durch die Dornen, denn du warst es wert.
Mit einem Herz aus Gold und der Hand voll Zauberei‘n
vertriebst du meine Angst. 

Du bist mein Prinz, meine Prinzessin, meine Fee.
Du fandest jene Tür, die ich so lang so gut versteckt hielt. 
Dein Blick taucht tief zu meiner Seele Grund. 
Dort sitzt schon lange, wartend und still
der Drache der umarmt werden will. 

Ich hab’s gewagt, den Sprung getan. 
und trat hinaus ins Licht.
Warf von mir Angst und Scham
und sah in dein Gesicht.
Ließ dunkle Räume hinter mir.
Auf neuen Wegen folge ich dir.
Mit deinem Herz aus Gold und der Hand voll Zauberei‘n
vertreibst du meine Angst. 

Du bist mein Rosenrot, mein Aladdin mein Hans im Glück.
Du bist Schneewittchen, meine Gänsemagd, meine Aschenputtel und mein Rübezahl. 
Lass mich dein Ritter sein, lass uns ins Abenteuer ziehn!
Wir sind mutig, ohne Furcht und stehen still 
vor dem Drachen, der umarmt werden will. 

Ich schaue dir beim Fliegen zu 
und fange dich auf, wenn du fällst.
Wir schreiben unser eignes Lied,
wir tanzen unsern Tanz.
Wir malen unser eignes Bild, 
wir kämpfen unsern Kampf.
Das ist unser Märchen, wir halten ihn fest:
Den Drachen, der sich umarmen lässt.